DHM - Deutscher Kolonialismus

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DHM - Deutscher Kolonialismus

Beitragvon Redaktion » Do 7. Mai 2015, 10:02

Seit Monaten im Gespräch, nun die offizielle Ankündigung auf der Seite des Deutschen Historischen Museums in Berlin:

Deutsche Kolonialgeschichte
Oktober 2016 bis April 2017

Im Bewusstsein der meisten Deutschen spielt es heute keine Rolle mehr, dass Deutschland wie Großbritannien und Frankreich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zu den europäischen Kolonialmächten gehörte. Einer der Gründe hierfür mag sein, dass Deutschland seine Kolonien als Folge der Niederlage im Ersten Weltkrieg 1918 verlor und daher, anders als in anderen Kolonialmächten in den Jahrzehnten nach 1945, kein Prozess der Dekolonisation stattfand.

Kolonialgeschichte ist ein wichtiger Teil einer frühen gemeinsamen – wenn auch rechtlich höchst ungleichen – Geschichte von Europa und dem "Rest der Welt". Kolonien waren für die europäische Bevölkerung zugleich das "Schaufenster" zu einer Welt, die zur damaligen Zeit von vielen als exotisch, geheimnisvoll und faszinierend empfunden wurde.

Die Ausstellung ermöglicht einen Überblick über die deutsche Kolonialgeschichte, indem sie die Herrschaftspraxis thematisiert, die wirtschaftliche Nutzung und Ausbeutung, den Umgang mit der einheimischen Bevölkerung bis hin zur Niederschlagung von Aufständen, Völkermord und anderen Verbrechen. Forschungsreisen und Rassenforschung sowie christliche Missionierung spielen ebenso eine Rolle wie das Schicksal von in „Völkerschauen“ gezeigten Afrikanerinnen und Afrikanern im Deutschen Reich. Der Umgang mit der kolonialen Vergangenheit in Deutschland, aber auch in den ehemaligen Kolonien, lässt einen vielseitigen Blick auf die Kolonialzeit und dessen schwieriges Erbe zu.

Im geplanten Begleitprogramm zur Ausstellung werden Themen zur deutschen Kolonialgeschichte vertieft und die Perspektive international und interdisziplinär erweitert.

Ankündigung auf der Webseite des DHM
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Re: DHM - Deutscher Kolonialismus

Beitragvon Redaktion » Di 18. Okt 2016, 13:56

Der Pressewald rauscht ja schon, wie Demo auch gepostet hat.

Ich war gestern dort und habe mir die Ausstellung angesehen. Es war im Prinzip wie befürchtet. Das Thema ist ja schließlich nicht "Deutsche Kolonialgeschichte" sondern "Deutscher Kolonialismus" und so wird an allen Ecken auf "ismen" rumgeritten. Rassismus, Patrialismus, Militarismus und so weiter, aber keine anständige Übersicht über die Kolonien, ihre Eigenheiten, die Verwaltung, Architektur, Tierwelt, Entwicklung und so weiter gezeigt.

Erhellend wirken da die Textwände, wo neben Deutsch und Englisch auch eine Art einfache Zusammenfassung in simplen, kurzen Worten im Zeichen der Inklusion für Kinder, Lernbehinderte und andere angebracht sind, die keine Lust haben lange Texte zu lesen. Klar, was die Masse der Besucher liest, die heutzutage nicht mehr fähig ist mehr als drei Absätze zu erfassen...
So wird als Ziel des Hererokrieges geschrieben, daß die Deutschen "alle Menschen töten" wollten. Das zieht sich durch die Ausstellung. Ausführliche Darstellungen über Prügelstrafen neben Erklärungen, daß Robert Koch nur in Afrika war, um die Arbeitskräfte zu erhalten und ohne die afrikanischen Helfer aufgeschmissen gewesen wäre.
Riesige Waschmittelreklamen für weiße Wäsche werden als Zeichen von Rassismus in der Werbung gezeigt (ohne jeden Bezug zu Kolonien!). Andere Themen wie der Eisenbahnbau oder Entwicklung von Plantagenwirtschaft werden nur versteckt in Nebensätzen erwähnt. Viel Raum wird dem Thema "Postkolonialismus" eingeräumt, also Vergangenheitsbewältigung, Entschädigungszahlungen wegen des Völkermordes in Namibia, Straßenumbenennungen etc.

Das Arbeitsszimmer von Gouverneur Schnee ist in einer Nische "nachgebaut" - mit Ausstellungsstücken auf dem Boden verteilt, als hätte es ein Erdbeben gegeben. Eines der interessantesten Objekte ist eine kleine Reichsflagge an einem afrikanischem Speer, die angeblich von Wissmann benutzt wurde. Die Flagge der DOAG, mit der Carl Peters durch Ostafrika gezogen war, ist ja leider seit dem 2.Weltkrieg verschollen. Symptomatisch für die ganze Ausstellung ist das zerlegte Wissmann-Denkmal auf dem Boden.

Die Ausstellung sollte man besucht haben. Einjeder mache sich sein eigenes Bild.

Wissmann-Denkmal.jpg
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Re: DHM - Deutscher Kolonialismus

Beitragvon demo » Sa 22. Okt 2016, 12:32

Gerade eben bei der FAZ gelesen.

Grimmige Arier am Kilimandscharo

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/k ... .html?GEPC
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Re: DHM - Deutscher Kolonialismus

Beitragvon archefoto » Sa 29. Okt 2016, 09:14

Hallo,

habe mir die Ausstellung gestern angetan. Wie erwartet folgt die gut besuchte Ausstellung dem üblichen Tenor die Deutschen allesamt als Mörder, Räuber, Vergewaltiger etc. hinzustellen. Selbst die erfolgreichen Bemühungen der Mediziner (u.a. Robert Koch) bei der Bekämpfung der Tropenkrankheiten werden als Verbrechen, gar als "Menschenexperimente", gebrandmarkt...

Das Foto mit den ausgemergelten Gestalten natürlich auch mehrfach - ganze 5 Mal, sowie zusätzlich im Ausstellungskatalog, strapaziert. Unter anderem präsentieren sie ein Exemplar des brit. "Blaubuch"s in dem ebenfalls eine Abbildung ist. Das DHM hat dieses Bild zur "Ikone des deutschen Völkermords an den Hereo und Nama" hochstilisiert.

Im DHM waren die Kommentare im Gästebuch auch teils recht lesenswert, zeigen sie doch daß die Meisten sich hinsichtlich der Kolonialgeschichte absolut manipulieren lassen. Haben mal was in der Schule zum Thema aufgeschnappt, dann noch diverse Filme etwa eines Guido Knopp gesehen, und mittels DHM gleichen Sie dann ihre Ansichten ab. Nicht wissend daß überall die gleichen Tatsachenverdreher am Werke sind...

Gruß v. archefoto
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Re: DHM - Deutscher Kolonialismus

Beitragvon Redaktion » Sa 29. Okt 2016, 10:35

Zu dem besagten Foto fand ich die Zusatzinformationen interessant. Ursprünglich war es eines von zweien, die zeigen sollten, wie die Hereros aus dem Sandfeld zurück kamen und dann im zweiten, wie sie in den Kriegsgefangenenlagern wieder "aufgepäppelt" wurden, so daß sie gesund aussahen. Also praktisch ein "Vorher-Nachher" Bilderduo.

Die damaligen Macher hätten sich wohl nicht denken können, wie später Ihr Ansatz verdreht werden würde.
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Re: DHM - Deutscher Kolonialismus

Beitragvon archefoto » Mo 31. Okt 2016, 14:47

Hallo Redaktion,

Redaktion hat geschrieben:Zu dem besagten Foto fand ich die Zusatzinformationen interessant. Ursprünglich war es eines von zweien, die zeigen sollten, wie die Hereros aus dem Sandfeld zurück kamen und dann im zweiten, wie sie in den Kriegsgefangenenlagern wieder "aufgepäppelt" wurden, so daß sie gesund aussahen. Also praktisch ein "Vorher-Nachher" Bilderduo.
:

gibt es dafür irgendwo eine Quelle / Belege?

Gruß archefoto
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Re: DHM - Deutscher Kolonialismus

Beitragvon Redaktion » Mo 31. Okt 2016, 17:42

War in der Ausstellung. Da lag die Gegenüberstellung aus und der Ursprung wurde erklärt.
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