Tips zur Ahnenforschung

Ahnenforschung, Personensuche, Schiffslisten etc.

Tips zur Ahnenforschung

Beitragvon Admin » Mi 8. Jul 2009, 12:47

Die Suche nach Informationen zu Vorfahren, die in den Schutzgebieten waren, ist schwierig.
Hier einige allgemeine Hinweise zu Themen, die oft nachgefragt werden. Diese Liste wird laufend ergänzt und überarbeitet. Mithilfe ist gern gesehen!

A) Militärangehörige (auch die, die beim Herero-Krieg kämpften)

Ohne vollständigen Namen mit Dienstgrad ist die Suche meist erfolglos. Hilfreich sind weiterhin Daten zum Zeitraum und Verwendung (Reiter, Train, Sanitätstruppe o.ä.). Wenn diese Informationen unbekannt sind, kann ein altes Foto in Uniform viel Aufschluß geben. Je höher der Rang desto mehr Erwähnung finden die Soldaten in der Literatur. Offiziere sind in mehr Unterlagen erwähnt, als einfache Mannschaften. Gefallene, an Krankheiten verstorbene und Verwundete finden sich in den Verlustlisten. Wer einen Orden erhielt ("dekoriert wurde") findet sich evtl. in Verleihungslisten.

Über Marineangehörige gibt es noch das Reichsmarinearchiv (heute in Freiburg), das Militärarchiv des Reichskolonialamtes ist im 2.WK vernichtet worden. Archivunterlagen zu Schutztruppenangehörigen gibt es in Deutschland praktisch nicht mehr, nur wenn zufällig Zivilangelegenheiten berührt worden und Durchschriften im Zivilbestand ankamen. In den ehemaligen Schutzgebieten gibt es noch einiges, um dessen Erhaltung heute verzweifelt gerungen wird. Örtlich werden die Bestände bereits digitalisiert, um sie auch hier nutzbar zu machen.

B) Personen mit (zeitweisem) Wohnort in den Schutzgebieten

Hier sind neben Namen, Berufen auch Wohnorte und Zeitraum hilfreich. In vielen Gebieten gab es Einwohnerverzeichnisse, oft aber auf Handel, Gewerbe und Beamte beschränkt. Am besten sind heute die Einwohner Deutsch-Neuguineas wissenschaftlich erschlossen (Einwohnerverzeichnis von Karl Baumann). Im Kolonial Handels- und Adressbuch 1926/27 sind viele "Ehemalige" aufgeführt, die zurück nach Deutschland kamen.

Zu den Archivbeständen der Schutztruppe schreibt das Bundesarchiv:
Dienststellen unter kaiserlichem Befehl Bestellsignatur: RW 51

Kaiserliche Schutztruppen und sonstige Streitkräfte in Übersee
Informationen zum Bestand

Die Schutztruppe für die ehemaligen deutschen Kolonien Deutsch- Südwestafrika und Kamerun wurde im Jahre 1895, für Deutsch-Ostafrika bereits 1891 gebildet. Ihr oberster Kriegsherr war der Kaiser. Der Reichskanzler übte die Kommandogewalt über die Schutztruppen aus; sie war auf den Direktor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, seit 1907 den Staatsekretär des Reichskolonialamtes delegiert. Im Schutzgebiet hatte der Gouverneur die höchste militärische Gewalt inne; der Kommandeur der Schutztruppe war ihm unterstellt. Den Schutztruppen oblag die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit.
Das Ostasiatische Expeditionskorps wurde aus Freiwilligen des Heeres in Divisionsstärke für den Einsatz beim Boxeraufstand in China (1900-1901) aufgestellt. Aus ihm ging die Ostasiatische Besatzungs-Brigade hervor.
Die militärische Sicherung des Schutzgebietes Kiautschou in China (von Deutschland 1898 auf 99 Jahre gepachtet) war dem III. Seebataillon (s. Bestand RM 121) übertragen.


Überlieferung
Ins Militärarchiv sind von den Unterlagen der Schutztruppen nur Einzelstücke wie vervielfältigte Befehle oder Vorschriften und Berichte über Einsätze der Kolonialtruppen gelangt. Originalunterlagen in großem Umfang befinden sich für Deutsch-Südwestafrika im Staatsarchiv Windhuk und für Deutsch-Ostafrika im Nationalarchiv von Tansania in Daressalam. Im Militärarchiv liegt zu diesen Akten ein Findbuch vor. Das Bundesarchiv, Abteilung Deutsches Reich in Berlin Lichterfelde verfügt über Filme zu den entsprechenden Akten.
Vom Ostasiatischen Expeditionskorps sind nur einzelne Befehle und Berichte erhalten.
Darüber hinaus enthalten die im Militärarchiv vorliegenden Akten der Kaiserlichen Marine in verschiedenen Beständen umfangreiches Material über die Schutztruppen.
Da die deutschen Einzelstaaten eigene Kontingente für die Kolonialtruppen stellten, befinden sich einschlägige Unterlagen auch im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München sowie im Hauptstaatsarchiv Stuttgart.


Weitere Überlieferung

RM 2 Kaiserliches Marinekabinett (BA MA)
RM 3 Reichsmarineamt (BA MA)
RM 5 Admiralstab der Marine (BA MA)
RM 16 Gouvernement des Schutzgebietes Kiautschou (BA MA)
RM 121 Landstreitkräfte der Kaiserlichen Marine (BA MA)
N 14 Nachlass Boell, Ludwig (BA MA)
N 38 Nachlass Lequis, Arnold (BA MA)
N 103 Nachlass Lettow-Vorbeck, Paul von (BA MA)
N 151 Richelot, Theodor (BA MA)
N L 30 Franke, Viktor (BA Koblenz)
MSg 1 (BA MA)
MSg 2 (BA MA)
R 1001 Reichskolonialamt (BA Berlin-Lichterfelde)

Amtliche Druckschriften
Das deutsche Kolonialblatt. Amtsblatt für die Schutzgebiete, 1890-1921
Amtblatt für das Schutzgebiet Kamerun. Bd.1 (1908) bis Bd.7 (1914)
Amtsblatt für das Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika Bd.1 (1910) bis Bd.6 (1915)
Amtlicher Anzeiger für Deutsch-Ostafrika Bd.1 (1900) bis Bd.17 (1916)
Die deutschen Schutzgebiete in Afrika und der Südsee. Amtliche Jahresberichte 1909/10- 1912/13
Deutsches Kolonialhandbuch Bd.1 (1896) bis Bd. 3 (1913)
Die Kämpfe der deutschen Truppen in Südwestafrika. Bearb. von der Kriegsgeschichtlichen Abteilung I des Großen Generalstabes, 2 Bde., Berlin 1906-1907
Die Kaiserliche Marine während der Wirren in China 1900-1901. Hrsg. vom Admiralstab der Marine, Berlin 1903
Admiralstab der Marine: Tätigkeit des Marine-Expeditionskorps in Süd- West- Afrika. Mittler u. Sohn, Berlin
Admiralstab der Marine: Die Tätigkeit des Landungskorps S.M.S. „Habicht“ während des Hereroaufstandes. Mittler u. Sohn, Berlin


Anfragen an das Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde oder das Militärarchiv in Freiburg bringen in aller Regel nur Informationen, wo gesucht werden kann. Vor Ort suchen und forschen muß man selbst! Das machen die angestellten Archivare dort nicht für Sie.



Tips zu Literatur bei der Ahnensuche:


Amtl. Deutsches Kolonialblatt (DKB) (Verluste, Ordensverleihungen, bes. Ereignisse etc.)
Kolonial- Handelsadressbücher (Zivile Händler, Unternehmen und Beamte)
Jahresbände des "Handbuch für das Deutsche Reich" (Beamte, leitende Militärs, Amtspersonen und öffentliche Angestellte auch in den Schutzgebieten)
Militärische Ranglisten (Offiziere)
"Namensliste der gefallenen Kolonialhelden des 1.Weltkrieges" (Kolonial-Ehrenmal Bremen)
"Das Offizierskorps der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika im Weltkrieg 1914-1918" (Maillard-Schröder)
"Chronik von Deutsch-Südwestafrika 1893 - 1915" (Lenssen, H. E) in mehreren Auflagen mit vielen Biographischen Einträgen
"Koloniales Adressbuch 1926/27" (Kolonialkriegerdank Verein) mit Adressen von Kolonialdeutschen aus der Nachkriegszeit.

Zusätzlich, speziell für den Hererokrieg:
Generalstabswerk (Verlustlisten)
Hptm.Schwabe "Der Krieg in Südwestafrika 1904/1906" (Truppentransportübersichten, aber ohne Namenslisten)
Frhr. Dincklage-Campe "Deutsche Reiter in Südwest" (Viele Namen von Schutztrupplern und Erlebnisberichte)
(es gibt Hunderte Bücher zum Krieg, die Suche nach einzelnen Namen ist aber eine reine Glücksache)
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Schutztruppe Kamerun

Beitragvon Redaktion » Mo 26. Mai 2014, 19:00

Speziell für die Suche nach Lebensdaten Kameruner Schutztruppenangehöriger empfiehlt sich die "Kamerun-Post". Dieses Blättchen wurde ab April 1927 gemeinsam vom "Verein der Offiziere der ehemaligen kaiserlichen Schutztruppe für Kamerun" und dem "Verein ehemaliger Angehöriger der kaiserlichen Schutztruppe für Kamerun" herausgegeben.
Hier finden sich viele Berichte von Ehemaligen und eine Fülle biografischer Daten bei runden Geburtstagen oder im Todesfall die Nachrufe.

Kamerun-Post Titel.jpg


Zu beachten ist, daß dies Verbandsblatt ab April 1927 als 4.Jahrgang der Kamerun-Post erschienen ist. Tatsächlich hatten aber die ersten 3 Jahrgängen (1912-1914) der Kamerun-Post ausser dem Namen herzlich wenig mit dem Nachkriegsblatt der ehemaligen Schutztruppler gemein. Herausgeber war damals die "Kameruner Druck-Gesellschaft in Duala". Das Blatt hatte den Untertietel " unabhängiges und einziges Organ für die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Schutzgebiete". Es waren vierseitige Blättchen mit allgemeinen Nachrichten aus den Schutzgebieten und vielen Anzeigen. Zur Suche nach biografischen Daten praktisch uninteressant.

Zusätzlich gab es zu besonderen Anlässen "Extrablätter", die kaum überliefert sind. Die Nummer 10 vom 9.August 1914 beschreibt zum Beispiel die Alarmbestimmungen für Duala und Bonaberi.
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Kolonial-Post

Beitragvon Redaktion » Sa 20. Dez 2014, 23:52

Bei der Suche nach biographischen Daten hat sich auch die "Kolonial-Post", das amtliche Organ des Deutschen Kolonialkriegerbundes, bewährt. Hier sind zum Tode oder runden Geburtstag häufig Erwähnungen der Personen mit einem kurzem Lebenslauf abgedruckt.

Wenn man also weiß, daß derjenige in einem bestimmten Jahr gestorben ist (und in den Veteranenverbände bekannt war!), findet sich oft etwas zur Person in dem Blatt.

Die Kolonial-Post ist von 1/1928 bis 3/1943 erschienen. Einen vollständigen Bestand hat (soweit ich weiß) keine deutsche Bibliothek ausser der DNB. Viele Jahrgänge sind per Fernleihe zu bekommen, bei manchen muß man aber in die entsprechenden Bibliotheken zu Recherche vor Ort.

Kolonial-Post.jpg
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