Polizeitruppe Neuguinea 1891

Ausrüstung, Uniformen, Bewaffnung, Expeditionen, Gefechte, Kriege etc.

Polizeitruppe Neuguinea 1891

Beitragvon Redaktion » Mo 9. Jul 2012, 21:18

Die deutsche Streitmacht von Neuguinea
Jetzt, da unsere deutsche Schutztruppe in Afrika durch ihre energischen und wirkungsreichen Thaten in den Vordergrund des Interesses getreten ist, mag es am Platze sein, ihr Gegenstück im fernen Südseegebiete, die deutsche Streitmacht in Kaiser-Wilhelms-Land, in Wort und Bild vorzuführen, so wie sie sich dem Verfasser vor einiger Zeit auf einer wissenschaftlichen Forschungsreise in jene Gegenden darstellt. Die Verhältnisse Neuguineas sind so grundverschieden von jenen Afrikas, die geschichtliche Entwickelung der Länder, die Culturstufe der Eingeborenen und vor allem die Beziehungen zu den Europäern, daß sich naturgemäß auch die Bildung der Schutztruppe nah ganz verschiedenartigen Principien entwickeln mußte, da ja die Zwecke, welche durch dieselbe erreicht werden sollen, so diametral auseinandergehen.
Die Insel Neuguinea ist in der That dadurch begünstigt, daß es keinerlei irgendwie organisierte, den Europäern feindliche Interessen gibt; andererseits darf man nicht verkennen, daß die Ursache dieser willkommenen Thatsache leider darin liegt, daß sich überhaupt keine weitern Organisationen vorfinden. Die meisten Dörfer bilden vereinzelte kleine Gemeinwesen; wohl sind die Einwohner verschwägert und befreundet mit einigen Nachbardörfern, und bei großen Festen kommen die Dorfbewohnen größerer Küstenstrecken zusammen, aber der Verband ist ein außerordentlich lockerer, und nach dem Inneren zu hört meist die Kenntnis des Landes und der Sprache bei den Küstenbewohnern schon mit dem ersten Bergdorf auf; auch die Bergbewohner unter sich haben nur wenig Verkehr und Möglichkeit des Austausches. Einen irgendwie in Betracht kommenden Handel gibt es im Inneren überhaupt nicht, Karawanen oder auch die kleinsten Handelszüge, ja selbst gewerbsmäßige Händler sind völlig unbekannt. Die europäischen Hobeleisen und Bandeisenstücke sowie die Baumwollentücher wandern langsam von Dorf zu Dorf durch Tauschhandel, und ich kam nach zwei Tagen von Finschhafen aus sogar noch in Gebirgsdörfer, wo europäische Waaren durchaus nicht vorhanden waren, obgleich durch die große Anzahl von Beamten der Neuguinea-Compagnie in Finschhafen eine Menge derartiger Tauschobjecte in Umlauf gekommen waren.
Da aber diese europäischen Waaren, namentlich Eisen, bei den bisher im Steinzeitalter lebenden Papuas in hohem Ansehen stehen, so drängte sich auch die Bevölkerung anfänglich danach, europäische Niederlassungen zu erhalten; die Einwohner räumen den Fremden passende Lokalitäten ein, helfen mit ihren schwachen Kräften beim ersten Aufbau der Station, und erst später, wenn sie die zielbewußte Überlegenheit herausfühlen und das ihnen gänzlich fremde und unverständliche Wesen der Europäer zu fürchten beginnen, ziehen sie sich scheu zurück. Sie verlegen ihre Ansiedelungen weiter abseits von den Stationen und stellen schüchtern wohl einige Fragen, wann die Europäer denn wieder abzuziehen gedächten; so in Fischhafen; oder es kommt auch zu feindseliger Haltung, selbst zu kleinen Reibereien mit den importirten farbigen Arbeitern. Trotzdem zieht der Wunsch, europäische Tauschobjecte zu erhalten und dadurch gegenüber den nicht so glücklichen Landsleuten zu einem relativen Wohlstand zu gelangen, die Leute immer wieder in die Nähe der Station, und die Keckern unter ihnen wagen dann auch wohl, nachts einige der heißersehnten europäischen Äxte zu entführen. Doch dann kommt Nemesis in Gestalt unserer Polizeitruppe. Schnell erfährt man durch Umfragen, welcher Ortschaft die Diebe angehören. Sind die Schuldigen, was gewöhnlich der Fall, nicht ausfindig zu machen oder entflohen, sopackt man beliebige Leute des Dorfs und bringt sie zur Station, wo sie so lange verbleiben müssen, bis entweder die Gegenstände, gewöhnlich auch eine kleine Buße dazu, zurückgebracht oder von dem Dorfe für jede Axt ein Schwein vergütet worden ist.
So gering an Zahl die Schutztruppe auch ist, so gefürchtet ist sie aber doch in der ganzen Umgegend; und in der That, stramme Burschen sind diese Buka-Jungens, wie sie dort allgemein genannt werden, nach dem Orte ihrer Herkunft auf den Salomons-Inseln. Sie gehören zu den dunkelfarbigsten Melanesiern, namentlich die dort hauptsächlich als Arbeiter verwendeten viel helleren, in ihrer Heimat gleichfalls vollkommen nackt gehenden und dem Kannibalismus huldigenden Neu-Pommern stechen grell gegen sie ab. Ihnen ist auch, wie das umstehende Bild zeigt, strammes Stillstehen in Reih und Glied, die Richtung, gerade Haltung u.s.w. noch nicht ganz zur zweiten Natur geworden, so verrathen doch ihre Blicke nicht nur, daß sie bei der Sache sind, sondern auch eine gewisse ernste und ruhige Entschlossenheit, und wer die Berichte der wenigen Reisenden, welche die Salomons-Inseln besucht haben (wirklich ins Innere hat sich noch keiner getraut), gelesen hat, der weiß auch, daß diese unsere neuen schwarzen Landsleute in Bezug auf Muth und Kampfesfreude hinter ihren weißen Kameraden im „old country“ kaum zurückstehen dürften. Aber auch hier hängt alles von der Leitung ab, und es war gewiß kein Fehlgriff von der Neuguinea-Compagnie, wenn sie diese Schutztruppe von einem tüchtigen deutschen Offizier organisiren und einschulen ließ. Freilich wenn man sie wie hier auf dem Bilde unter dem Schatten der mit saftigen Früchten behangenen Papayabäume und Bananenstauden stehen und hocken sieht, ahnt man nicht, wie ihre Augen aufleuchten, wenn es ans „fighting“ geht. Sie haben vieles mit den Neu-Pommern und Neu-Mecklenburgern gemeinsam, nur sind sie noch kriegerischer und wilder, im Kampfe noch ausdauernder und energischer als die Bewohner dieser beiden Inseln, und daran liegt es auch, wenigstens theilweise, daß, während Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg schon eine Reihe europäischer Ansiedelungen besitzen, der deutsche Theil der Salomans-Inseln derselben noch völlig entbehrt. Werden aber erst einmal die Europäer festen Fuß auch auf dieser Inselgruppe gefaßt haben, so ist kaum ein Zweifel vorhanden, daß sich die Salamons-Insulaner in kurzem als das civilisationsfähigste Element in dem deutschen Schutzgebiete herausstellen werden.
Wie die übrigen Bewohner des Bismarck-Archipels, so sind auch sie vorzugsweise berufen, den Bedarf an Arbeitern in unserem deutschen Schutzgebiet in Zukunft zu decken, da ja auf die Bewohner der Hauptinsel Neuguinea nach den bisherigen Erfahrungen nicht allzu sehr zu rechnen sein wird. Genügt unsere kleine Schutztruppe vollkommen für die Zwecke, die sie in Neuguinea zu erfüllen hat, so ist freilich, um im Bismarck-Archipel selbst, also auf den Salomons-Inseln, Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg friedliche Zustände herzustellen, ein ganz anderes Aufgebot erforderlich; wie aber das zu bewerkstelligen, welche Meinungen die herrschenden, und welche Vorschläge schon gemacht worden sind, das darzulegen kann nicht die Aufgabe dieser kleinen Skizze sein.
O. Warburg


Illustrirte Zeitung vom 11.04.1891


Schutztruppe Neuguinea.jpg
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Re: Polizeitruppe Neuguinea 1891

Beitragvon Redaktion » Do 1. Mai 2014, 10:58

Grad was in der Kolonie und Heimat 1913 (Heft 36 und 45) gefunden. Passt dazu..

Polizei Rabaul - KuH 36-1913.jpg


Karoliner Polizeisoldat - KuH 45-1913.jpg
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Re: Polizeitruppe Neuguinea 1891

Beitragvon Redaktion » Sa 8. Aug 2015, 14:06

Grad eine hübsche Bildpostkarte der Polizeitruppe DNG mit dem Truppführer Soelle bei Ebay.

Polizei DNG.JPG
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