Frage zu DSWA Okanaya

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Frage zu DSWA Okanaya

Beitragvon k02c271 » Do 29. Dez 2011, 13:55

Hallo,
ich möchte mich in meinem ersten eitrag hier im Forum erst einmal vorstellen. Ich heisse Christoph, bin 46 Jahre alt, komme aus dem wunderschönen Ruhrpott und sammle schon seit einigen Jahren recht eifrig militärische Dienstuhren aus dem zeitlichen Bereich zwischen 1914 und 1970. Mir ist jetzt durch die Anfrage eines Kollegen der folgende Junghans Taschenuhrwecker unter die Finger gekommen. Eigentlich nichts Besonderes, halt ein Wecker aus dem Jahr 1909 dachte ich, bis ich über die Gravur im hinteren Deckel gestolpert bin.

Bei SWA hat es dann doch bei mir geklingelt. Kann man anhand der Zeitangabe und dem Ort vielleicht etwas zu der dort stationierten Truppe finden? Das Weltnetz gibt da nicht so wirklich viel her. Ich entziffere die Inschrift - die übrigens sauber per Hand gestichelt wurde - wie folgt:

Unteroffizier-Preisschießen
1910
Remontedepot Okanaya
D.S.W.A.

mfg und danke im voraus
christoph
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Re: Frage zu DSWA Okanaya

Beitragvon Redaktion » Do 29. Dez 2011, 16:06

Zuerst: Feines Stück, was du da in der Sammlung hast.

Ich mußte erst mal gucken, was Remonte bedeutet und fand die Info bei Wikipedia:
Remonte (französisch für Ersatzpferd) ist eine Bezeichnung innerhalb der klassischen Reitkunst und in der Kavallerieausbildung für ein Pferd, das noch in seiner Grundausbildung ist. Es wird nochmals unterschieden in eine junge Remonte im ersten Ausbildungsjahr, das mit Longieren und Gewöhnen an das Gewicht des Reiters beginnt und Geradeausreiten sowie Zirkelreiten in allen drei Grundgangarten umfasst, und eine alte Remonte im zweiten und ggfs. dritten Ausbildungsjahr, wobei der Ausbildung die leichteren Elemente der Campagneschule hinzutreten.

Im militärischen Bereich (Deutschland, vor allem 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts) verstand man unter Remonten drei- und vierjährige Pferde. Sie wurden für die jährlich ausgemusterten Pferde benötigt, z. B. um 1900 bei einem Bestand des kaiserlichen Heeres von 98.000 Pferden 11.000 Remonten. Das preußische Militär kaufte sie vor allem im ehemaligen Ost- und Westpreußen, dem bis um 1945 größten geschlossenen Pferdezuchtgebiet der Welt, ein kleinerer Teil kam aus Gestüten bei Hannover und in Norddeutschland. Die bayerische, sächsische und württembergische Armee bezogen ihre Remonten überwiegend aus dem eigenen Land. Die meisten waren Warmblüter wie ostpreußische Trakehner, die anderen kaltblütig. Die Vierjährigen kamen in der Regel gleich in die Truppe. Die Dreijährigen wurden ein Jahr in ein Remonte-Depot eingestallt. Preußen hatte über 20 Depots, Sachsen vier. Hier reiften unter straffer täglicher Bewegung in allen Gangarten Anatomie und Pferdepsyche, wobei noch nicht geritten wurde. Die Tiere gewöhnten sich an Stallkasernen und Militärumgebung wie Schüsse, Pauken und Fahnen. Danach hatten sie als Zugpferde bei der Artillerie und im Transportdienst (Train) neun Jahre, als Reitpferde bei den berittenen Truppen und Stäben zehn Jahre vor sich. Im ersten Truppenjahr mit Ausbildung galten sie noch als Remonten.



Ich bin kein Spezialist, was die Pferdezucht und -haltung in DSWA angeht. Das Kaiserliche Landgestüt war in Nauchas (Bezirk Rehoboth).
Den Namen Okanaya, den du aus der Inschrift liest, kannte ich gar nicht. Der Ort liegt weit nördlich, über der Etosha-Pfanne. Ich habe etwas recherchiert und erfahren, daß man so hoch im Norden keine Pferdezucht betreiben konnte, weil die Tiere schnell krank wurden. Ich entziffere einen anderen Namen, nämlich Okawajo. Dort war das Pferdedepot-Nord* der kaiserlichen Schutztruppe. Okawajo liegt in der Nähe von Omaruru, etwas nödlich der Strecke Windhuk - Swakopmund.

Literatur darüber, welche Unteroffiziere 1910 dort stationiert waren, habe ich leider nicht. Es wäre ein absoluter Glücksfall, wenn du irgendwo einen Bericht über die militärische Pferdehaltung in DSWA findest - gibt es bestimmt, aber es ist eine Suche im Heuhaufen. :?



* Pferdedepot Süd war in Aus.
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Re: Frage zu DSWA Okanaya

Beitragvon k02c271 » Fr 30. Dez 2011, 08:22

Hallo,
klasse, ich bin beeindruckt. Das hilft mir schon einmal sehr viel weiter. Na wenigstens DSWA habe ich richtig interpretiert um hier zu landen. :D Da habe ich ja jetzt einen Anhaltspunkt um etwas weiter zu forschen. Wenn ich etwas finde ergänze ich auf jeden Fall den Beitrag um die Informationen.

mfg und einen guten Rutsch
christoph
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DSWA - Uhr mit Gravur

Beitragvon archefoto » Fr 8. Mai 2015, 17:01

Hallo Uhrenammler,

Mitte letzten Jahres wurde via ebay eine Uhr aus DSWA mit Gravuren verkauft. Hatte mir die Bilder gespeichert und gebe sie hier mal wieder:

Text der Artikelbeschreibung:

"taschenuhr_hera_open_face_silber im hochfeinen 800er Silber Gehäuse

Äußerst gepflegter Zustand Gelegenheit aus Privatsammlung

Glanzvolle Hera Open Face Taschenuhr im originalen 0,800 Silber Gehäuse in einem sehr guten Erhaltungszustand
mit originalem Zifferblatt im unrestaurierten Zustand.

Die Uhr ist ausgestattet mit einem weißen Emaille-Zifferblatt, schwarzen römischen Ziffern, einer Eisenbahnminuterie
im Außenbereich, einer 60 Minuten Anzeige im Außenbereich, einem gebläuten Zeigerspiel in Birnform sowie einer
kleinen Sekunde auf 6 Uhr.

Auf dem Gehäuseboden befindet sich eine Gravur mit folgender Aufschrift:

"Dem Mutigen gehört die Welt"
"Erinnerung an den Eingeborenen Aufstand in Deutsch Südwest-Afrika"
"1904-1906""


Verkaufspreis hab ich mir leider nicht notiert. Falls noch mehr Bilder von Interesse sind bitte Privatnachricht senden.

Gruß v. Burkhart
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