Namens-Rückverlegungen in Deutsch-Neuguinea gemäß Gutachten

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Namens-Rückverlegungen in Deutsch-Neuguinea gemäß Gutachten

Beitragvon Rabaul » Mi 27. Jan 2010, 06:32

Für die Kolonial-Abteilung des Auswärtigen Amtes bekam 1893 der Leiter des Orientalischen Instituts der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Carl Eduard Sachau, den Auftrag ein Gutachten zu erstellen zum Zwecke der Namens-Rückbenennung von Orten in die einheimischen Bezeichnungen. Beispiel: Herbertshöhe - Kokopo. Was gab Anlaß zu dieser Maßnahme ?? Auf welche Überlegungen hin basierte dieses Gutachten ??
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Re: Namens-Rückverlegungen in Deutsch-Neuguinea gemäß Gutachten

Beitragvon Redaktion » Do 28. Jan 2010, 21:01

1893 schon? Ich habe hier etwas zu geograph. Namen in der Südsee gefunden, zwar von 1900, aber scheinbar gab es da schon länger Diskussionen um neue "Kunstnamen".

In der Deutschen Kolonialzeitung (Organ der DKG) Nummer 8/1900 ist ein Artikel "Nomenklatur in der Südsee". Dort wird über die Unsitte der Umbenennung altbekannter geographischer Namen geklagt, "so daß das Verständnis der bezüglichen Literatur schon jetzt ungemein erschwert wird."

In der Vorstandssitzung der DKG in Straßburg wurde eine Resolution verabschiedet, daß das aufhören muß. Weiterhin hat sich die Gesellschaft für Erdkunde (Berlin) in ihrer Zeitschrift (Heft 1/1900) gegen die Umbennungen ausgesprochen.

Auch der VII.Internationale Geographenkongreß hat 1899 eine Resolution verabschiedet, wo unter anderem gefordert wird:
- daß einheimische Namen beibehalten werden sollen
- unrichtige und willkürliche Namen zu beseitigen sind
- nur solange keine einheimische Namen bekannt sind, auf die Namen von Entdeckern zurückgegriffen werden sollte.
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Re: Namens-Rückverlegungen in Deutsch-Neuguinea gemäß Gutachten

Beitragvon Rabaul » Mo 1. Feb 2010, 20:10

Die Namensänderung fand also weniger den Melanesiern zuliebe statt, sondern vor allem der erschwerten Quellensuche in der Literatur. Es spricht für den damaligen Amtsschimmel, daß man dazu einen Gutachter brauchte...
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Re: Namens-Rückverlegungen in Deutsch-Neuguinea gemäß Gutach

Beitragvon Redaktion » So 24. Aug 2014, 17:08

Zum Thema geographische Namen in der Südsee, heute ein kurzer Artikel in der Welt am Sonntag.

Sprache macht Geschichte: Für jeden Berg ein Bismarck

Als australische Truppen im August 1914 anfingen, das deutsche Überseegebiet im Südpazifik zu übernehmen, wollten sie möglichst schnell Schluss machen mit "Kaiser-Wilhelms-Land". Die Soldaten nahmen Hafen für Hafen, Bucht für Bucht ein und besetzten im Januar 1915 die letzte deutsche Regierungsstation im heutigen Papua-Neuguinea. Doch von der Landkarte getilgt ist die deutsche Kolonialzeit auch heute nicht, fast 40 Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes.

Ein Blick auf die Orte des melanesischen Landes zeigt, dass Namen mitnichten Schall und Rauch sind, sondern größte politische Umbrüche überdauern. Zu den Relikten der Kolonialzeit zählen Ortsnamen wie "Mount Hagen" in den Western Highlands, benannt nach einem preußischen Offizier, "Mount Wilhelm", der in einer Reihe mit drei anderen Bergen nach Otto von Bismarck und seinen Kindern heißt, oder "Seeadler Harbour", benannt nach einem Kreuzer der Kaiserlichen Marine.

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Re: Namens-Rückverlegungen in Deutsch-Neuguinea gemäß Gutach

Beitragvon Redaktion » Di 12. Mai 2015, 13:27

Zu den Namen in der deutschen Südsee:

1000 deutsche Namen für Wilhelms Südsee-Imperium

Vom "Mount Wilhelm" bis zum "Bismarck-Gebirge": Entdecker überzogen die pazifischen Kolonien des Kaiserreichs mit skurrilen Namensschöpfungen. Nicht wenige haben sich bis heute erhalten.

Als australische Truppen im August 1914 anfingen, das deutsche Überseegebiet im Südpazifik zu übernehmen, wollten sie möglichst schnell Schluss machen mit "Kaiser-Wilhelms-Land". Die Soldaten nahmen Hafen für Hafen, Bucht für Bucht ein und besetzten im Januar 1915 die letzte deutsche Regierungsstation im heutigen Papua-Neuguinea. Doch von der Landkarte getilgt ist die deutsche Kolonialzeit auch heute nicht, fast 40 Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes.

Ein Blick auf die Orte des melanesischen Landes zeigt, dass Namen mitnichten Schall und Rauch sind, sondern größte politische Umbrüche überdauern. Zu den Relikten der Kolonialzeit zählen Ortsnamen wie "Mount Hagen" in den Western Highlands, benannt nach einem preußischen Offizier, "Mount Wilhelm", der in einer Reihe mit drei anderen Bergen nach Otto von Bismarck und seinen Kindern heißt, oder "Seeadler Harbour", benannt nach einem Kreuzer der Kaiserlichen Marine.

Weltweit gibt es die meisten deutschen Ortsnamen der ehemaligen Kolonien im Südpazifik – mehr als 1600 zählten Wissenschaftler im Großen Deutschen Kolonialatlas von 1915: "Fast 60 Prozent aller deutschen Kolonialtoponyme stammen aus der Region Deutsch-Neuguinea", sagt Thomas Stolz, Professor für Koloniallinguistik an der Universität Bremen. Die Benennungen waren dabei vor allem ein Politikum: Ein deutscher Name zeigt deutsches Gebiet an und soll andere davon abhalten, Ansprüche zu stellen.

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Re: Namens-Rückverlegungen in Deutsch-Neuguinea gemäß Gutach

Beitragvon Redaktion » Fr 13. Apr 2018, 16:26

Entdecke grad, daß es im Bundesarchiv, bei den Akten des Reichskolonialamtes 2 Bände zu dem Thema gibt.

Neubenennungen von Orten im Kaiser-Wilhelmsland und im Bismarck-Archipel: Bd. 1
Nov. 1885 - Sept. 1908
R 1001/2387

Neubenennungen von Orten im Kaiser-Wilhelmsland und im Bismarck-Archipel: Bd. 2
Jan. 1909 - Aug. 1914
R 1001/2388


Da haben sie sich aber lange und ausgiebig mit dem Thema beschäftigt! :D
War da schon einmal jemand dran und hat das gesichtet? Vom Umfang her offenbar genug für ein Buch....
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